CA, San Francisco und das HSB

Nach einer halben Stunde Fußmarsch bergauf und -ab erreichen wir den Golden Gate Park zum Hardly Strictly Bluegrass Festival, von Kennern HSB genannt. Volksmusik ist zwar nicht unser ureigenes Interesse, aber wenigstens ein Mal wollen wir dabei sein.
Auf den sechs Bühnen wird Musik verschiedenster Richtungen, nicht ausschließlich nur Bluegrass, gespielt. Da die Pausen zeitgleich sind, muss man sich auf dem Weg zu einer anderen Bühne durch die Massen schieben. Es scheinen ganz San Francisco und Oakland anwesend zu sein, vom Säugling bis zum Woodstock Überlebenden.



Abends werden die Plätze vor den Bühnen mit Decken und Planen vollständig ausgelegt. Das Festival soll Smog- und Alkoholfrei sein, so wurde von etlichen Moderatoren betont: bitte keine Zigaretten. Na, da braucht sich keiner Sorgen zu machen, hier wird nur grünes Kraut aus Dope Pfeifen geraucht.


Alkohol ist kistenweise dabei, selbst illegale Bierverkäufer gibt es in rauen Mengen. Wir bleiben bei sonnigen 20°C bei Smoothie und Wasser.


Bei den gestandenen Musikern hoffen wir auf junge spritzige Begleitbands. Leider stehen die alten Männer wie Steve Earl oder Kris Kristofferson allein mit ihrer Gitarre auf der Bühne. Manchmal ist sogar eine zweite Gitarre dabei. Für so ein riesiges Festival finden wir das trotzdem etwas dünn.


Rosanne Cash ist da schon etwas besser.


Und Emmylou Harris ist Klasse, als sie jedoch ein Klagelied auf die Tiere im Tierheim anstimmt und fast in Tränen ausbricht, gehen wir. Wir finden diese Demonstration angesichts der Unmengen von Obdachlosen, die den Park bevölkern, unangemessen.


So richtig geht die Post bei Shannon And The Clams


sowie Cindy Lauper ab. Bei 'Girls wanna have fun' wird natürlich lautstark mitgegrölt. Da fühlt man sich gleich 30 Jahre jünger.
Leider sind Musikveranstaltungen bei den Amis nur der Anlass, um sich die Kante zu geben. Wenn man hinter einer Gruppe völlig zugedröhnter Leute steht, ist der Musikgenuss nur noch halb.
Zu der winzigen Wagon Stage dagegen kommt nur eingefleischtes Publikum. Da macht es richtig Spaß.


Und ganz ohne Enttäuschung geht es dann doch nicht: im linup war noch 10 Tage vor Beginn des Festivals 'Wyonna & The Big Noise' mit Susan Tedeschi angekündigt. Ohne Angabe von Gründen ist Susan Tedeschi aus dem Rennen und Wyonna steht nur mit ihrer Band auf der Bühne. Obwohl das Konzert toll ist, sind wir ein bißchen traurig. Bei Jackson Browne sind nur noch die hinteren Plätze zu haben und als die Lautsprecher ausfallen, hören wir fast nichts mehr, schade.

Wir fahren den 49 Meilen Scenic Drive, natürlich gegen den Uhrzeigersinn, denn ausschließlich so stehen die wenigen Schilder. Und auch nur mit Beifahrer und Stadtplan ist es möglich die Route zu finden.

 
Fishermans Warf erkennen wir nicht wieder. Wo wir vor 20 Jahren gemütlich den Seelöwen zugeschaut haben, herrscht nun dichtes Gedränge, Shop neben Shop, unzählige Restaurants und die Straßenmusikanten sind es wohl nur noch dem Namen nach.
Obwohl es langsam Herbst wird, bekommt man im Hotel nur ein Laken als Zudecke. Nun ist Dieter froh, dass wir unsere riesige Kuscheldecke doch im Koffer haben.
Endlich können wir unser schrabbliges Auto abgeben und haben irgendwie auch genug von vielspurigen Autobahnen, vollen Straßen, Menschenmassen sowie Urbanisation.
Nun freuen wir uns auf Down Under.

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