Auf der Weiterfahrt lassen sich zwei paarende Karbonnattern von den vorbei brausenden Autos überhaupt nicht stören.

Sie sind zwar ungiftig, aber verteidigen sich mit schmerzhaftem Biss.
Auch hier sind viele Camps noch geschlossen. Bereits etwas verzweifelt landen wir im Parcheggio Getsemani Villanova einem hervorragend ausgerüsten Stellplatz. Wir bekommen zur Begrüßung sogar eine Flasche Wein geschenkt und sind ein bißchen versöhnlicher gestimmt. Allerdings möchten wir hier nicht in der Saison sein, wenn 70 Camper dicht an dicht stehen.
Und wieder kommt die Sicherung, sogar bei unserem niegelnagelneuen Wasserkocher. Der freundliche Besitzer spricht deutsch und erklärt uns, dass die Sicherungen in den Campgrounds nur für 2 Ampere ausgelegt sind. Wir trauern, als sparsame Menschen haben wir unseren Wasserkocher ganz umsonst entsorgt.
Hätten wir genau hingeschaut, dann wäre das nicht passiert.

Das kleine Dorf Villanova, (400 EW) ist noch total tot, sämtliche Ferienwohnungen sind verriegelt und verrammelt, Läden und Restaurants geschlossen.

Hier muss es im Sommer schrecklich sein, wenn sämtliche Feriendomizile bewohnt sind.
Aber einer der Fischer hat geöffnet, 1 Kilogramm frische Vongole kostet 10,00 EUR, rosa Garnelen 25 EUR pro Kilogramm und vier sehr große Austern gibt es für 5 EUR, da muss man doch zuschlagen.

Dieter nimmt lieber den uns unbekannten, dennoch leckeren Fisch.
In dem beeindruckende Itria-Tal, dem Tal der Kegelbauten, steht der älteste Trullo aus dem Jahr 1509.

Alberobello (10.000 EW) ist vor allem durch diese Kegelbauten, die Trulli, berühmt. Sie entstanden nach dem Vorbild der Bauweise von Hirten- und Bauernhäusern. Bekam die Familie Nachwuchs, baute man einfach neben die erste Kuppel eine zweite. Die Dachplatten sind ohne Mörtel von unten nach oben in immer enger werdenden Kreisen geschichtet und die bis zu drei Meter dicken Wände halten im Sommer die Häuser kühl und im Winter warm.

Im 17. Jahrhundert war es verboten, neue Ortschaften zu gründen. Für eine entsprechende Erlaubnis musste man zahlen.
Kam doch eine kaiserliche Kontrollkommission, wurden die Dächer auseinandergenommen und es mussten für die 'halben Häuser' keine Steuern gezahlt werden. Somit wurde in Alberobello überhaupt kein Mörtel mehr verwendet und die Siedlung auch erst 1797 als Ortschaft eingestuft.
Die Dächer wurden mit Symbolen bemalt, die das Böse abhalten sollen.

Seit 1996 gehört Alberobello zum UNESCO Welterbe.
Das bewahrte die Trulli zwar vor dem Abriss, jedoch verließen die Menschen die unbequemen Häuser mit den wenigen Fenstern und nur die Alten, die in diesen Häusern aufgewachsen sind, blieben zurück.
So wandelten sich Wohnhäuser zu Bars, Ferienunterkünften und Souvenirläden.

Der Ort stirbt langsam aus und verkommt zu einer reinen Touristenkulisse, das echte Leben verschwindet aus den Gassen von Alberobello.
Die Wallfahrtskirche Sant’Antonio di Padova wurde 1927 mit dem typischen Kegeldach der Trulli erbaut.

Dieser Abstecher ist es wirklich wert, so interessante Häuser gibt es sonst nirgens zu sehen.
Im Battery Camping Bisceglie an der Adria gelingt sogar ein Foto der scheuen, aber sehr lauten Mönchssittiche.
