Coorong NP bis Melbourne

Nur sehr wenige Touristen zieht es auf der Strecke nach Adelaide in den Coorong NP. So sind wir fast allein auf der Straße und nehmen jeden Abstecher, der nicht 4WD erfordert. Die Seen im NP sind beinahe ausgetrocknet und viele haben sich in Salzseen verwandelt. Eine faszinierende Landschaft mit angepasster Pflanzenwelt.

Auf der gleißenden Fläche wirken die Emus wie im Schnee.

Den "gestrandeten Wal“ lassen wir natürlich auch nicht aus.



Aber die versprochenen Pelikane an Jacks Point sind nur recht spärlich vertreten. Der Flieger in Melbourne wartet nicht und so müssen wir leider den Coorong NP verlassen und übernachten in Tailem Bend direkt am Murray River, wunderschön gelegen, aber was ist Internet? So bleibt uns nur, mit Beobachtung von Pelikanen, Schlangenhalsvögeln, Tauben und vielen anderen Vögel die Zeit zu vertreiben.

Wir brausen auf der langweiligen Autobahn durch bis Padthaway. Hier ist Weingegend und wir stoßen auf etliche, auch in Deutschland bekannte Namen.

Die Wet Cave im Caves NP Naracoorte und World Heritage Center besichtigen wir 'self guided'. Das angeschlossenen Museum mit Dinoausstellung ist sehr interessant. Die Dinos sind jedoch ganz andere als wir sie kennen, nicht mal einen T-Rex gab es hier. Uns erstaunt die völlig andere Entwicklung von Australiens Tierwelt. Der Kontinents ist irgendwann von der Antarktis aus nach Norden getrieben und beheimatet ursprünglich keine der bei uns lebenden Tiere. In der späten Dämmerung beobachten wir den Ausflug der 26.473 Fledermäuse, bei 23.467 haben wir uns verzählt und wissen nun nicht, ob die angegebene Zahl tatsächlich stimmt.
Huch, die Wannon Falls sind einfach leer, kein Tröpfchen Wasser.
In Penola bucht die nette Dame der Tourist Information für uns den primitiven Campingplatz mitten im Grampiens NP. Wir übernachten für $37 in der Jimmy Creek Camping Area mit Trockenklo, Buschdusche (Eimer am Haken) und privaten Kängurus. Wie sich dieser Preis ergibt, erschließt sich Niemandem. Wir haben den Verdacht, die anderen drei Camper sind 'illegal' hier.

Morgens weckt uns der Krawall einer Schar weißer Kakadus. Wen das Flöten einer Amsel am frühen Morgen stört, der darf nicht im australischen Bush übernachten.



Wir laufen zur Spitze des 1.167 Meter hohen Mt. William. Man hat einen schönen Überblick, ist allerdings nicht besonders spektakulär. Über die C222 fahren bis Roses Gap Road, halten an jedem Aussichtspunkt und nehmen die kleinen Trails zum Reed Lookout und zu den Balconies.



McKenzie Falls wollen wir eigentlich auslassen, aber bergauf und bergab laufen hatten wir heute noch nicht. Dann hören wir sogar Wasser rauschen. Es ist tatsächlich beeindruckend.



In Roses Gap Road sind die Auswirkungen des Buschbrandes deutlich zu sehen und es wird klar, warum dieser Teil des NP geschlossen wurde. Nach 17 Kilometern ist die Straße plötzlich gesperrt. Dieter versucht durch das Sandauge das Sperrschild zu umfahren. Es kommt, wie es kommen muss: festgefahren. Wir legen Äste unter die Räder aber es hilft nichts, sie drehen durch. Dann versuchen wir es doch mit guter alter Trabantmanier - schieben. Nach einigem Hin- und Hergewackel schaffen wir es endlich. Wir sind total verschwitzt und sehen aus wie kleine Ferkel. Auf der A8 brausen wir nach Ararat zum Camp mit Facilities und duschen. Ein herrliches Gefühl, endlich sauber.
Ein bisschen Enttäuscht sind wir schon, weil wir die in jedem Visitor Centre angepriesenen alten 'Blue Gum Trees' nicht gefunden haben. Irgendwie begreifen wir dann, dass die Eukalyptusbäume hier Gum Tree heißen, und die hatten wir natürlich jede Menge.
Ballarat ist eine Stadt, die zu Zeiten des Goldrausches entstanden ist, entsprechend prunkvoll sind etliche Gebäude. So bummeln wir durch die schöne Stadt und gönnen uns Kaffee und heiße Schokolade bevor wir uns ins Getümmel von Melbourne stürzen.



Dieter will Fritzis Nerven testen und lotst sie in Melbourne direkt zum Southern Cross (ist wie Berliner Alex mit Massen Touris, Straßenbahnen, Bussen, Umsteige zur Metro ….). Dieter schwitzt zwar mehr als Fritzi, doch mit dem CamperVan mitten durch Melbourne ist auch nicht schlecht. Etliche hupen, weil wir nicht schnell genug sind für die Millionenstadt. Lass sie hupen, hebt uns nicht an, den Stinkefinger hat Fritzi sich allerdings verkniffen. Und manchmal sollte ein Mann auf seine Frau hören, wenn sie bereits bei der Autobahnabfahrt sagt, dass wir viel weiter nördlich und nicht im Süden in die Stadt fahren müssen. Navi eben, leider gibt es etliche Elizabeth Straßen in Melbourne, welche ist denn nun die richtige?



Die PLZ sagt es uns und dann finden wir auch endlich den Big4 Holiday Park. Aber das Internet ist ein Witz: 50 MB pro Aufenthalt, also für drei Tage. Armin ruft an und Erik ist völlig irritiert, da wir uns nur unterhalten und er uns somit nicht auf dem Bildschirm sehen kann. Ist trotzdem bereits nach 5 Minuten vorbei. Wir kaufen 300 MB für $7,50 dazu, rufen noch einmal an, diesmal mit Kamera, Erik ist total begeistert, er hatte schon rumgeheult, wo Oma und Opa sind. Als er uns nun sieht, freut er sich wie ein Schneekönig und winkt und wirft uns gleich Handküsse zu. So ein begeistertes Kind haben wir lange nicht mehr gesehen!

Mit der Straßenbahn fahren wir in die Innenstadt und bummeln in der Brunswick Street im Stadtteil Fitzroy die Straße rauf und runter. Wir sehen sehr interessante Völkchen in jeder der Unmengen von Kneipen und Bars. Im „Marios“ essen wir super Nudeln. Schmeckt das lecker nach vier Monaten Nudelentzug! Melbourne ist eine wunderschöne, sehr moderne Stadt mit seeehr breiten Straßen. Angeblich haben die Städteplaner sie so angelegt, damit man Schafe dort weiden kann. Es geht hier ziemlich entspannt zu. Der Spruch auf dem Stadtplan sagt viel:

Die Aussicht vom Eureka Tower in 285 Metern über Melbourne ist traumhaft. Als besonderen Gag gibt es „The Edge“, einen Raum mit Glaswänden und Glasfußboden der seitlich aus dem Gebäude gefahren wird. Dieter lässt sich dieses Erlebnis nicht entgehen. Fritzi wird drinnen an der Seite mit den nach außen geneigten Fenstern schon schlecht.




Natürlich hat auch Melbourne vom Goldrausch des 19.Jahrhunderts profitiert, aber auch noch heute scheint es der Stadt sehr gut zu gehen. Zu Beginn diesen Jahres wurde der gesamte Innenstadtbereich (ca. 2,5 x 1,5 km) als „Free Tram Zone“ deklariert, d.h. alle Straßenbahnen in diesem Bereich sind kostenfrei.




Wir erwarteten viel Ähnlichkeiten zwischen Neuseeland und Australien. In Australien ist das, was wir bisher gesehen haben, viel schöner und ordentlicher. Die Grundstücke und Häuser sind sehr groß, sehr englisch und sehr gepflegt. Mit tollen Vorgärten, manche wie botanische Gärten, und kein irgendwie hingemölter Schuppen. Australien scheint ein sehr reiches Land zu sein und ist ein Mekka für Steak Esser. Ein wunderbares Rindersteak hat den halben Preis im Vergleich zur Heimat, dafür war es nie eingefroren und ist um Vieles zarter. An zahlreichen Stellen gibt es sehr gepflegte Grünanlagen, Parks oder Picknick-Plätze. Dort stehen dann Gas-Grills zur freien Nutzung. Man drückt einen Knopf, nach 10 Minuten ist der BBQ heiß, Steak, Zwiebeln und Kartoffeln drauf, fertig ist ein tolles Dinner. Na, und die Tierwelt ist ebenfalls fantastisch. Nicht nur die Kängurus und Koalas begeistern, auch Vögel gibt es jede Menge. Überall ist ein Zwitschern und Tirilieren, manchmal auch eher an Krach erinnernde Geräusche, zu hören. Leider haben die meisten Vögel eine sehr große Fluchtdistanz und flattern viel zu schnell hin und her. So haben wir von etlichen noch keine Fotos.