Vanuatu, Teil 3 - Lamen Island, Epi, Efaté

Jimmy bringt uns zum kleinen Lamen Island. Er gibt fürchterlich an, dass er am Morgen den Dugong mit Popo und Fisch gefüttert habe. Nun jedoch jagd er das scheue Tier mit seinem Motorboot hin und her und ist erstaunt, dass wir keine Bilder schießen können. Irgendwie verstehen wir die Handlungsweise nicht so richtig, war da nicht etwas von füttern und streicheln statt jagen gesagt worden?
Vor Lamen Island schnorcheln wir am Riff. Das Wasser ist einigermaßen klar. Die meisten Korallen sind tot, aber so langsam scheinen sich neue Korallen anzusiedeln. Bei den kleinen Korallen gibt es natürlich auch keine großen Fische, selbst die Papageifische sind recht klein. Aber wir sehen eine beeindruckende 'Wiese' mit Unmengen von Seeanemonen.
Lamen Island mit seinen 500 Einwohnern ist autofrei, sehr sauber und hübsch mit einer Kirche aus Kalkstein. Jimmys Frau hat uns einen kleinen Imbis bereitet: grünen Poposalat (geraspelte Popo mit Zitrone, schmeckt ein bisschen wie Möhrensalat), Tee aus Lemonleaf (äußerst wohlschmeckend), Kochbanane in Kohl, gekochter Taro, einheimische Nüsse und Grapefruit. Alles sehr lecker.




Zurück auf Epi strömen plötzlich von allen Seiten die Dorfbewohner zum Strand, es kommen die Big Sista (große Schwester) und die Epi Dream in die Bucht. Die Tenderboote fahren hin- und her, denn den Anlegesteg gibt es nicht mehr. Freunde werden begrüßt oder verabschiedet, Waren werden in Empfang genommen oder aufgegeben. Die Epi Dream bleibt in der Bucht liegen und der Baggerfahrer übernachtet mit seiner Frau und den fünf Kindern bei Tasso. Nach getaner Arbeit wird der Bagger am nächsten Morgen wieder aufgeladen und die Epi Dream kann mit Fahrer und Familie weiter fahren.




Dann wieder Regen und sogar die Hühner flüchten vor den großen Tropfen. Die Big Sista kommt aus Santo zurück. Wieder beginnt das lebhafte Treiben am Strand. Und genau am 'Anleger' der Tenderboote ist heute Markt. Am meisten wird Kava verschifft, zwei ganze Tenderboote voller Kava verschwinden im Bauch der Big Sista.



Neu für uns sind die ungerösteten Erdnüsse vom Markt, ganz frisch aus der Erde, schmecken ein wenig wie Zuckerschoten.



Mit dem Versorgungsschiff Tina1 kommen aus Port Vila neben Passagieren auch Waren für den Inselkonsum, Diesel, Lebendferkel, Zement, Reis, Tiefkühltruhe …
Die Dieselfässer werden vom Schiff ins Wasser gerollt, und wenn sie dicht genug an Land getrieben sind, an der Strand gezerrt.


Am schwersten fällt uns auf Epi das Nichtstun, den ganzen Tag rumhängen und im Schatten dösen. Wir leben mitten im Dorf, schauen beim Fischen oder Kochen zu und packen am liebsten auch noch mit an. Wir werden ständig mit 'relax' und 'no hurry' ermahnt. Also laufen wir ein bisschen herum, lesen oder schwatzen mit den Dorfbewohnern. Das ist allerdings eine harte Nuss, da wir das stark Bislama geprägte Englisch oft nicht verstehen. Die Leute sind sehr nett und sehr interessiert. Wir stechen mit unserer Hautfarbe überall heraus und werden oft angesprochen, nach unseren Namen gefragt, wo wir herkommen und ob Deutschland wieder Fußballweltmeister wird?
Die einfachen Auslegerboote dienen auch heute noch zum Transport oder zum Fischfang.



Obwohl bei diesen Temperaturen Schwitzen rund um die Uhr angesagt ist, scheint waschen nicht so häufig vertreten zu sein. Es reicht doch, die Klamotten zu wechseln. Gegen das übliche Händeschütteln bin ich auch zu Hause voreingenommen. Aber hier wird einem sogar im Vorbeigehen die Hand gereicht. Ein Terrorangriff auf meine eh schon niedrige Ekelschwelle, was Körpergeruch und Körperkontakt angehen. Am liebsten würde ich immer mit Seife in der Hand und Klammer auf der Nase herumlaufen, aber das wäre wohl äußerst unhöflich.
Dieters Reisebass trifft auf ungeteilte Bewunderung. Oft muss er etwas vorspielen oder jemand schleppt eine Gitarre an und möchte mit Dieter gemeinsam spielen. Das ist etwas schwierig, da Dieter keinen Verstärker dabei hat und seinen Ton nur über Kopfhörer hören kann.

   

Wir versuchen es erneut am Flughafenstrand und sehen fünf Schildkröten. Die sind jedoch sehr scheu und lassen uns nicht dicht an sich heran. Verwundert sehe ich von Ferne, wie eine große Schildkröte versucht an Land zu kommen. Sie bleibt aber im Wasser und ich sehe nur die Seitenflosse und den riesigen Rücken. Ich renne hin und sehe, es ist der Dugong, nur ½ Meter vor mir im Wasser! So ein Mist, den Fotoapparat hat Dieter. Schade, kein Foto, ich hätte mich auf ihn werfen und mich festkrallen sollen. Wir entdecken den Dugong erneut ziemlich nah und Dieter kann sich ganz sachte heran schnorcheln. Es gelingen sogar einige Bilder. Wir bleiben noch eine Weile und beobachten den Dugong so ca. fünf bis zehn Meter von uns entfernt grasen und schwimmen. Es geht wie ein Lauffeuer durchs Dorf und wir werden schon beim Zurückgehen angehalten und nach dem Dugong und eventuellen Bildern befragt. Unser Ansehen als Exoten steigt ins Unermessliche.



Weil wir eine ganze Woche bleiben, bezahlen wir für den Bungalow mit Frühstück und Abendbrot den fairen Preis von 2.500 VT pro Tag und Person. Mit Flug und Transfer sind das für sieben Tage 73.400 VT, immer noch 14.000 VT weniger als das 'offizielle' Angebot über drei Tage. So versöhnt uns diese Woche 'Dschungelcamp' ein wenig mit Vanuatu.
Der Rückflug gestaltet sich etwas überraschend. Nach dem Landen der Maschine dürfen wir nicht einsteigen, es steigen nur einige Passagiere aus und die Maschine hebt nach Malekula ab. Eigentlich sollte sie zurück nach Port Vila fliegen, da gab es wohl eine Flugplanänderung? Wir warten knapp einer Stunde und die Maschine ist wieder da. Leider kann sie nicht landen, weil Kinder auf der Wiese spielen. Kurze Aufregung, dann ist die Piste frei und beim zweiten Landeanflug klappt es dann. Nun dürfen wir endlich einsteigen und zurück nach Efaté fliegen.
Auch an den letzten Tagen auf Efaté finden wir das versprochene französische Flair immer noch nicht, jedoch ein französisches Restaurant. Wir probieren Coconut Crab und Fruit Bat, beides äußerst wohlschmeckend.

Wir schlendern zum letzten Mal durch Port Vila und verabschieden uns vom Lärm und Gestank der Autos und den gefährlichen 'Bürgersteigen'.




Die Menschen auf Vanuatu sind absolut nett und freundlich, immer gibt es ein Lächeln und ein 'Hallo'. Trotzdem ist die Abzocke so imens, dass wir Vanuatu nicht als Reiseland empfehlen können. Schon gar nicht für Individualtouristen, da es schwierig ist, auf eigene Faust etwas zu planen. Man bekommt nur spärliche Informationen, und man benötigt für bessere Informationen einfach zu viel Zeit, zumal die meisten Dinge ausschließlich in Büros oder per Telefon und nicht im Internet zu erfahren sind. Karten mit touristisch interessanten Punkten gibt es gar nicht. Fragen werden oft nur mit 'ja' oder 'nein' beantwortet, also muss man genau wissen, was man fragen muss.

    

Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit sind sämtliche Sitzgelegenheiten aus Holz oder Plaste. Da tut einem auf Dauer ein klein wenig der Hintern weh. Und so langsam sehne ich mich nach einem schönen Sessel so richtig zum reinlümmeln, und manchmal fehlt mir auch mein Bett. Aber erst erkunden wir noch ein wenig Australien!
Ob wir dort wohl die Wallibies, die wir auf NZ vergeblich gesucht haben, nah genug für ein Foto sehen werden?