Samarkand, usbekische Hochzeit

Und ausgerechnet heute Abend hat Diyor Karten für das größte Folklorefestival der Welt. Wir möchten aber gern die Einladung zur Hochzeit annehmen. Dieweil findet sich schnell jemand, der die Karten begeistert annimmt und wir dürfen zur Hochzeit von Diyors Cousin, Glück gehabt!
Der August ist der Hochzeitsmonat in Usbekistan. Da regnet es nie und man kann unter freiem Himmel beisammen sein, Neid, Neid, Neid!
Auch die Trauung findet unter Anwesenheit der 300 (!) Gäste draußen statt.
Es ist eine wunderbare Feier: Die Tische bersten unter der Last der Köstlichkeiten: Geflügel-, Lamm- und Pferdefleich, gebackener Fisch, Suppe (Schurpa), Somsa, Salate, Wurst, Käse, Brot, Kuchen, Süßigkeiten, Mandeln, Pistazien, Aprikosenkerne, Unmengen an Obst.


Wir kosten alles, nur für Süßigkeiten und Kuchen ist kein Platz mehr, wir sind zum Platzen vollgefuttert. Das muss natürlich beim Tanzen abgearbeitet werden.
Es ist uns sehr schwer gefallen, ein passendes Hochzeitsgeschenk, was auch noch den Transport im Koffer übersteht, zu finden. Wir haben uns für einen Tischläufer mit Ostsee-Motiven entschieden.
Wir überreichen unser Geschenk, wünschen 'Toylar Muborak' (arabische Gratulation zu Festen) und dürfen nun sogar die Braut umarmen.


Und obwohl wir 299 der geladenen Gäste nicht kennen, fühlen wir uns herzlich willkommen, wir sind sofort mittendrin.
Für uns etwas ungewohnt ist das Tanzen im Kreis, getrennt nach Herren und Damen. Trotzdem ist es Lebenslust pur.


Nur das Brautpaar hat in unseren Augen den schlechtesten Platz: ganz allein auf einer Tribüne und muss von oben


auf die ausgelassene Gästeschar und den kleinen Muck herabschauen.


Nach der Feier ist noch lange nicht Schluss. Die Freunde des Bräutigams tragen eine riesige Fackel bis zum Haus des Bräutigams und entzünden dort ein kleines Feuer.


Dort muss der ehemalige Bräutigam seine Angetraute bei der Schwiegermutter mit Geld auslösen, sie dann um das Feuer herum und ins Haus hinein tragen.
Natürlich geschieht das mit lauter Musikbegleitung. Wir bewundern die Ausdauer der Band, nicht eine einzige Pause den ganzen Abend.
Nun tanzen nur noch die Herren im Hof des Hauses.



Samarkand besaß bereits im 8. Jahrhundert eine Papierfabrik. Maulbeerbäume wurden für die Seidenherstellung in Hülle und Fülle benötigt und so gab es ausreichend Material für das Maulbeerrindenpapier.
Heute wird bei Meros wieder nach traditionellem Verfahren Papier hergestellt. Die Maulbeerrinde wird per Hand geschält und eingeweicht.


Für die körperlich anstrengenden Arbeiten, wie das Stampfen der Pulpe,

wird Wasserkraft verwendet.


Das Papier wird per Hand geschöpft,


getrocknet und zum Schluss mit Horn oder Schneckengehäusen poliert bis es für hochwertige Kalligraphien nutzbar ist.
Die Früchte des Maulbeerbaumes sehen aus wie Brombeeren und schmecken unendlich süß.